
brand eins 04/2026 – Radikal denken
Titel: Kill Your Dreams
Schwerpunkt: Radikal denken
„KILL YOUR DREAMS“ – klingt hart? 💥
Fakt ist: Träumen hilft nicht in Zeiten wie diesen. Was wir jetzt nicht brauchen, sind weitere Jahre der Realitätsferne oder Ausflüchte, warum notwendige Veränderungen erst einmal nichts werden. Was wir brauchen, sind radikale Ideen für eine bessere Zukunft. Genau denen widmen wir unseren neuen Schwerpunkt „Radikal denken“.
• Sollen wir unsere Träume begraben oder nur unsere Illusionen? Ich habe über die Titelzeile lange nachgedacht. Wer will schon eine Welt ohne Träume? Aber was ich noch weniger will, sind weitere Jahre der Realitätsferne. Weitere Ausflüchte, warum es mit den notwendigen Veränderungen erst einmal nichts wird. Weiteres Verharren, das nur aushaltbar wird, wenn man sich in Träume flüchtet.
Das ist das Gegenteil von dem, was unser Kolumnist Stephan A. Jansen Zukunftsimaginationskompetenz nennt. Diese Fähigkeit hatte er erstmals in der Januar-Ausgabe 2024 ins Spiel gebracht, als er mit Jens Bergmann und mir über die deutsche Misere sprach und wie wir sie überwinden. In dieser Ausgabe legt er nach, noch radikaler. Aber ist es dafür nicht auch langsam Zeit?
Mischa Täubner hat sich in seinem Einleitungstext mit genau dieser Frage beschäftigt, seine Antwort ist differenziert. Ja, es braucht radikale Ideen. Utopien, so zitiert er die Zukunftsforscherin Florence Gaub, schützten uns vor dem Gefühl der Ohnmacht. Aber es brauche immer auch Menschen, die Utopien für den Alltag übersetzten. Und von denen stellen wir in dieser Ausgabe einige vor.
Mark Lauriks zum Beispiel, sozialdemokratischer Stadtrat in den Niederlanden. Er brachte das Projekt Immerloo Schuldenvrij auf den Weg: Bis zu 50 Menschen wurden dank der Unterstützung von drei altehrwürdigen Bürgerstiftungen ihre Schulden erlassen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter halfen ihnen, aus der neuen Situationden größtmöglichen Nutzen zu ziehen. Auch Britta Buchholz, leitende Ingenieurin in einem Energietechnikunternehmen, hat es nicht einfach nur beim Mitleid belassen, als sie von 80 im Oman gestrandeten afghanischen Studentinnen hörte, denen die Rückführung zu den Taliban in Afghanistan drohte. Sie startete eine beispiellose Initiative und schaffte es mit vielen Verbündeten, 44 dieser Frauen ein neues Leben in Deutschland zu ermöglichen.
In Unternehmen sind radikale Neuanfänge meist prosaischer und erfordern dennoch Mut. Wenn es gut gegangen ist, wie etwa bei Rebuy, Shopify oder Transpak Copacking, sieht das rückblickend geradezu einfach und alternativlos aus. Doch jeder Strategiewechsel ist auch Hölle, wie die eindrucksvolle Geschichte der Gießerei Schmees zeigt, die sich seit 65 Jahren immer wieder neu erfinden muss. Dieses Schicksal wird vielen Unternehmen und auch Menschen nicht erspart bleiben, wir leben in turbulenten Zeiten. Der Welthandel steht nahezu täglich vor neuen Herausforderungen; die großen Platt formen und KI verändern, wie wir einkaufen und bei wem. Und auch, welche Jobs noch sicher sind, wird ständig neu definiert. Was dann bleibt? Neu anfangen. Träumen jedenfalls hilft nicht, in Zeiten wie diesen. Aber die gute Nachricht ist: Ein anderes Leben ist möglich.
brand eins ist das Wirtschaftsmagazin, das die Veränderung zu seinem Thema macht. Uns interessiert nicht der Status quo, uns interessiert, was sich entwickelt. Monatlich, in Schwerpunkten, mit ungewöhnlichen Perspektiven. Alles was Menschen bewegt.
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